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Akcakoca - Batumi: Abschluss Türkei

Veröffentlicht am 26.04.2014

Einige haben bestimmt das 400 km lange Loch in unserer Route bemerkt, dasjenige zwischen Bolu und Samsun. Es kam zustande nachdem sich Dania nur schleppend von ihrer Krankheit erholte. Einfach aber wahr: Ohne Nahrung, keine Power. Die Hügel der Türkei konnten so kaum bewältigt werden. Bus fahren hingegen ging gut, auch das Velo überlebte es ohne grössere Schäden. 

Um die Erkenntnis reicher, dass ein Bürojob, angesichts der mässigen, körperlichen Belastung, eigentlich gar nicht so verkehrt ist, verbrachten wir die zwei folgenden Tage pausierend in Samsun. Martin überwand sogar seine Abneigung gegen dampfende Wellnesseinrichtungen und ging ins Hamam, was er im Nachhinein nicht bereute. In Samsun gab es früher übrigens, der Mythologie entnommen, Amazonen. Das waren Frauenvölker, die Krieg führten und dem Mann mindestens gleichgestellt waren. Es war interessant zu beobachten, wie ihre damalige Haltung und Kleidung im starken Kontrast zu der in dieser Region momentan vorherrschenden, eher bedeckteren, submissiveren Variante steht.

Die Genesung war glücklicherweise fortgeschritten und so machten wir uns auf in Richtung Ünye. Die Freude über die alte Gesundheit aber währte nicht lange, denn Dania haute es gehörig auf den Latz. Knie, Ellbogen, Hüfte und Schulter in Regenbogenfarben prägen neuerdings das Erscheinungsbild. Langfristige Defekte sind aber ausgeblieben, ausgenommen bei Dr. med. Martin, dieser schmiss als beherzter Nothelfer sein Velo auf die Strasse, so dass sein Rückspiegel abgebrochen ist.

Pech oder Glück im Unglück, es folgt immer irgendwann Glück. Und so sind wir froh über mehrere Begegnungen in der letzten Zeit berichten zu können. Da war zum Beispiel dieser türkische Velomechaniker aus Ҫarşamba, der uns bei einer roten Ampel verständlich machte, dass wir ihm zu seinem Geschäft folgen sollten. Er lud uns zu einem Ҫay ein und anschliessend zum Mittagessen bei ihm zuhause. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass wir uns eigentlich nicht unterhalten konnten. 

Wenn man mit dem Velo reist, fällt man auf. Besonders in einer Stadt, wo die Leute "Hello, hello!" rufen, winken oder die Daumen hoch halten. Man erhält den Eindruck, dass Touristen auf dem Velo rar oder gar nicht vorhanden sind. Umso erstaunter waren wir, als wir von zwei Anderen verfolgt wurden, die mehr oder weniger genau das gleiche machen wie wir, einfach vom Baskenland nach Thailand. Bilinx und Mikel begleiteten uns die darauffolgenden Tage bis nach Trabzon. Die Abwechslung, endlich mal mit jemand anderem reden zu können, war sehr bereichernd, zumal sie es uns mit ihrer aufgestellten, interessierten und lustigen Art einfach machten sie ins Herz zu schliessen.

In Trabzon angekommen, machten wir uns sofort ans Iran Visa und folgten Bill und Mike zur Botschaft. An dieser Stelle ein Einschub für alle Iranreisenden auf dem Landweg: In Trabzon kann das Visa am Morgen beantragt und am Abend schon abgeholt werden. Wohingegen Istanbul und Ankara ihre Prozesse mit Visacodes und Wartezeiten bis zu einer Woche unnötig kompliziert gestalten. So war es keine Überraschung in der Botschaft auf andere Reisende zu treffen. Kurzerhand beschlossen wir am nächsten Tag zusammen einen Ausflug zum Sümela Kloster zu unternehmen. Visa besorgen verbindet anscheinend. Unter den Antragstellern waren auch zwei Schweizer, Lukas und Anna. Mit ihnen reisen wir weiter nach Georgien und Armenien.